Kleine Prothese, grosse Wirkung – Hilfe bei Arthrose des Daumensattelgelenks
Schmerzen beim Greifen, Kraftverlust im Alltag und zunehmende Einschränkungen: Die Rhizarthrose, eine Arthrose des Daumensattelgelenks, betrifft viele Menschen. Innovative Prothesen eröffnen heute neue Perspektiven für mehr Beweglichkeit und Lebensqualität.
Text: Kerstin Wälti • Geprüft von: Dr. med. Dominique Merky, Leiterin Handchirurgie und Dr. med. Silvan Pasquinelli, Leitender Arzt | Orhtopädie Sonnenhof Spital Emmental
Einen Drehverschluss öffnen, den Schlüssel drehen oder einen schweren Gegenstand in der Hand halten – was im Alltag selbstverständlich erscheint, kann für Betroffene einer Rhizarthrose zur Herausforderung werden. Die Arthrose des Daumensattelgelenks gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Hand. Sie ist mit erheblichen Einschränkungen verbunden und entsteht, wenn der Knorpel des Daumensattelgelenks geschädigt ist und Knochen auf Knochen trifft. Dieses spezielle Gelenk, das dem Handgelenk am nächsten liegt, ist für die grosse Beweglichkeit des Daumens verantwortlich.
«Viele Patientinnen und Patienten kommen zu uns, weil sie merken, dass sie plötzlich alltägliche Dinge nicht mehr schmerzfrei ausführen können», erklärt Dominique Merky, Leitende Ärztin der Orthopädie Sonnenhof Spital Emmental, Leiterin der Handchirurgie und Fachärztin FMH für Handchirurgie und Chirurgie der peripheren Nerven. Typisch sei etwa, dass das Öffnen eines Konfitürenglases oder einer Flasche nicht mehr gelingt.
Die Ursache der Rhizarthrose liegt häufig in der besonderen Anatomie des Daumensattelgelenks. Dieses ist zwar sehr beweglich, aber eigentlich passen die beiden Gelenkflächen nicht zueinander. «Das Gelenk ist von Natur aus nicht perfekt aufeinander abgestimmt. Diese Inkongruenz, kombiniert mit genetischen Faktoren oder altersbedingtem Verschleiss, begünstigt die Entstehung einer Arthrose», so Handchirurg Silvan Pasquinelli, ebenfalls Leitender Arzt der Orthopädie Sonnenhof Spital Emmental.
Schmerzen und weniger Kraft
Zu Beginn äussert sich die Erkrankung meist durch belastungsabhängige Schmerzen. Mit der Zeit kann es jedoch zu einer deutlichen Einschränkung der Funktion kommen. «Die Kraft im Daumen nimmt ab, die Hand lässt sich weniger gut öffnen, das Abstützen mit der Handfläche auf einem Tisch fällt schwer und in fortgeschrittenen Fällen kann sich das Gelenk sichtbar verformen», erklärt Dominique Merky. Manche Patientinnen und Patienten haben zudem nächtliche oder dauerhafte Schmerzen.
Trotz dieser Beschwerden warten viele lange, bis sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. «Viele Betroffene schränken sich unnötig ein – nach einer Therapie können sie oft wieder Tätigkeiten ausüben, die ihnen wichtig sind, sei es im Alltag oder im Hobby», betont die Handchirurgin.
Zu Beginn konservative Behandlungen
Am Anfang steht in der Regel eine konservative Behandlung. Dazu gehören Ergotherapie, Schienen oder Infiltrationen mit entzündungshemmenden Medikamenten.
«Wir versuchen immer zuerst, die Beschwerden ohne Operation zu lindern.»
Silvan Pasquinelli
Leitender Arzt der Orthopädie Sonnenhof Spital Emmental
Diese Massnahmen können die Schmerzen deutlich reduzieren, auch wenn sie die Arthrose selbst nicht heilen. Ergänzend spielt auch der Alltag eine wichtige Rolle. «Kleine Anpassungen – etwa Hilfsmittel beim Öffnen von Gläsern oder bewusstes Entlasten des Daumens – können viel bewirken», so Merky. Ziel sei es, die Belastung des Gelenks zu reduzieren und die vorhandene Funktion möglichst lange zu erhalten.
Innovatives Verfahren
Wenn die konservativen Therapien nicht mehr ausreichen oder die Deformierung bereits weit fortgeschritten ist, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Neben klassischen Verfahren, bei denen ein Handwurzelknochen entfernt wird, gewinnt eine neuere Methode zunehmend an Bedeutung: die Daumensattelgelenksprothese.
«Die Prothese funktioniert im Prinzip wie eine Hüftprothese und sieht auch so aus – einfach im Miniaturformat», erklärt Merky. «Ein Schaft wird im Mittelhandknochen verankert, während eine Gelenkpfanne im Handwurzelknochen eingesetzt wird. So entsteht ein neues, bewegliches Kugelgelenk.» Die Prothese ist etwa fünf Zentimeter lang und besteht aus Titan und einem speziellen Kunststoff. Im Gegensatz zur Hüftgelenksprothese nutzt sich die Handgelenksprothese weniger ab. «Dies liegt vor allem daran, dass sie viel weniger belastet wird als das künstliche Hüftgelenk.»
Kürzere Rehabilitationszeit, besseres Ergebnis
Der Eingriff dauert in der Regel rund anderthalb Stunden und kann in Teil- oder Vollnarkose durchgeführt werden. Die Patientinnen und Patienten bleiben anschliessend zwei Nächte im Spital und tragen zwei Wochen lang eine Daumenschiene, bevor schrittweise mit der Mobilisation begonnen wird. «Wichtig ist, dass die Prothese in den ersten Wochen einheilen kann – danach lässt sich die Belastung langsam steigern», erklärt die Ärztin. Nach sechs Wochen ist das neue Gelenk voll eingewachsen und es kann mit dem Kraftaufbau begonnen werden.
Ein entscheidender Vorteil des Gelenkersatzes liegt in der rascheren Rehabilitation. «Im Vergleich zu anderen Verfahren gewinnen die Patientinnen und Patienten ihre Beweglichkeit und Kraft deutlich schneller zurück und müssen ihre Hand auch weniger lange ruhig stellen», sagt Merky. Zudem können die Funktion und die Beweglichkeit des Daumens wieder vollständig hergestellt werden.
Positive Erfahrungen mit modernen Prothesen
Langzeiterfahrungen mit modernen Prothesen sind vielversprechend. Vor allem im französischsprachigen Raum werden seit vielen Jahren sehr erfolgreich Daumengelenksprothesen implantiert. «Wir wissen durch internationale Daten, insbesondere aus Frankreich, dass diese Implantate sehr gute Resultate zeigen», erklärt Merky. «Auch unsere eigenen Erfahrungen sind positiv; in der Schweiz setzen wir seit etwa sieben Jahren künstliche Daumengelenke ein.» Für viele Patientinnen und Patienten bedeutet die Behandlung vor allem eines: ein Stück Lebensqualität zurückzugewinnen.
«Der Daumen ist zentral für fast alle Handfunktionen. Ohne ihn ist man im Alltag stark eingeschränkt.»
Dominique Merky
Leitende Ärztin der Orthopädie Sonnenhof Spital Emmental
Umso schöner sei es zu sehen, wenn jemand nach der Behandlung wieder schmerzfrei greifen kann und die Hände erneut voll funktionsfähig sind. Viele Patientinnen und Patienten sagen im Nachhinein, sie hätten sich schon früher behandeln lassen sollen.
Orthopädie Sonnenhof Spital Emmental
Am 1. März 2026 haben die Spital Emmental AG und die Orthopädie Sonnenhof KLG ihre langjährige Zusammenarbeit ausgebaut. Seither wird die orthopädisch-traumatologische Versorgung durch die Orthopädie Sonnenhof Spital Emmental sichergestellt. Dazu hat die Orthopädie Sonnenhof die Belegschaft der Orthopädie des Spitals Emmental sowie die medizinische, organisatorische und unternehmerische Verantwortung für die orthopädische und traumatologische Versorgung übernommen.
Mit dieser Kooperation haben beide Partnerinnen auf zentrale Entwicklungen im Gesundheitswesen reagiert: strenger werdende regulatorische Vorgaben, eine zunehmende Spezialisierung in der Orthopädie, den Fachkräftemangel sowie das vom Kanton Bern geplante 4+-Regionen-Modell, das eine engere Koordination der regionalen Angebote verlangt. Gleichzeitig werden das orthopädische und traumatologische Angebot sowie die orthopädische Notfallversorgung in der Region langfristig und nachhaltig gesichert.