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12. August 2026

«Wir unterstützen Betroffene im Dschungel der Gesundheitsversorgung»

Das Gesundheitsnetz Emmental soll die Gesundheitsversorgung in der Region effizienter und patientenzentrierter machen. Projektleiterin Nicola Julia Aebi und Olivia Lanz, Leiterin der Sozialberatung am Spital Emmental und der sozialmedizinischen Koordinationsstelle des Gesundheitsnetzes Emmental, über die Idee dahinter und die neu geschaffene Koordinationsstelle als wichtigen Teil des Projekts.

Text: Luk von Bergen • Geprüft von: Olivia Lanz, Leiterin Sozialberatung des Spitals Emmental und der sozialmedizinischen Koordinationsstelle des Gesundheitsnetzes Emmental, Nicola Julia Aebi, Projektleiterin Gesundheitsnetz Emmental 

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Frau Aebi, was genau ist das Gesundheitsnetz Emmental?

Nicola Julia Aebi: Das Gesundheitsnetz Emmental wurde vor einem Jahr gegründet und verbindet verschiedene Leistungserbringer aus der Region Emmental. Es sind diverse Akteure dabei, die mithelfen, eine integrierte Versorgung für die Region zu schaffen.

Wer gehört zu diesem Gesundheitsnetz, das alles vereinfachen soll?

Aebi: Zu diesen Akteuren gehört einerseits das Spital Emmental, dazu kommen andererseits Langzeitinstitutionen wie Pflegeheime, die SPITEX sowie einzelne Hausärztinnen und Hausärzte. Zudem arbeiten wir mit der Post Sanela Health AG zusammen, einer Tochtergesellschaft der Schweizerischen Post. Hier geht es unter anderem um digitale Fragen wie das elektronische Patientendossier. Die Berner Fachhochschule wiederum unterstützt uns im wissenschaftlichen Bereich.

Es geht also darum, die Vernetzung zu verbessern, von der Hausarztpraxis über das Spital bis zur Nachsorge, richtig?

Aebi: Genau. Wir wollen uns vernetzen und dadurch effizienter werden für die Patienten und Patientinnen oder, wie wir sagen, für Betroffene. Denn es geht dabei nicht nur um kranke oder verletzte Menschen. Dieses Gesundheitsnetz bauen wir für die gesamte Emmentaler Bevölkerung auf. Die Betroffenen sollen im Zentrum stehen und im Dschungel der Gesundheitsversorgung unterstützt werden.

Innerhalb dieses Netzes gibt es seit März die sozialmedizinische Koordinationsstelle, kurz SMK. Frau Lanz, was ist die Aufgabe der SMK?

Olivia Lanz: Die SMK besteht aus Fachpersonen, die sich um Betroffene kümmern, also um alle, die Fragen zu Pflege und Betreuung in der Region haben. Denken Sie an eine Ehefrau, die ihren Mann mit Parkinson zu Hause pflegt und Unterstützung sucht. Oder an eine akute Situation, wenn ein pflegender Ehemann stürzt und seine demenzkranke Frau sofort betreut werden muss. Auch Hausärztinnen und Hausärzte können sich melden, wenn sie für ihre Patientinnen und Patienten eine vorübergehende Pflege benötigen. Es geht hier also in konkreten Fällen darum, aufzuklären, zu vernetzen, zu koordinieren und die Dinge in die Wege zu leiten. Wir beraten Betroffene auch in Sachen Finanzierung der entsprechenden Leistungen.

Richtet sich die SMK hauptsächlich an ältere Menschen oder gibt es auch jüngere Betroffene?

Lanz: Krankheit kann alle treffen. Wir sind täglich damit konfrontiert. Es können auch jüngere Patienten und Patientinnen sein, die voll im Arbeitsprozess stehen und plötzlich Hilfe für alltägliche Angelegenheiten benötigen, zum Beispiel nach einem Unfall oder einer schweren Krankheit. Da können wir gezielt beraten und weiterhelfen.

Aebi: Allerdings sind die Anfragen bisher eher von älteren Menschen gekommen, da wir uns in einem ersten Schritt stark auf die Vermittlung von Pflegeheimplätzen fokussiert haben.

Wie ist die Situation im Emmental bezüglich Pflegeheimplätzen?

Lanz: Die Pflegeheime sind tendenziell schon voll. Aber ich würde sagen, man findet hier in der Region Emmental immer eine Lösung.

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«Die sozialmedizinische Koordinationsstelle ist keine Anlaufstelle für akute medizinische Behandlungen. Wir sind eine Beratungs- und Informationsstelle, die koordiniert, aber nicht pflegt oder ärztlich betreut.» 

Olivia Lanz
Leiterin sozialmedizinische Koordinationsstelle

Wie wichtig ist die Selbstbestimmung der Betroffenen bei der Wahl des Pflegeplatzes?

Aebi: Es ist ganz wichtig, dass man sagen kann, wohin man möchte. Aber in akuten Fällen, wenn schnell ein Platz gefunden werden muss, kann es sein, dass im gewünschten Pflegeheim kein Bett frei ist. Dann muss man auf eine andere Lösung ausweichen.

Lanz: Es gibt mehrere Wege. Man kann frühzeitig verschiedene Pflegeheime anschauen, sich anmelden und planen. Oder man lässt es geschehen. Hilfe ist immer da, aber dann ist es vielleicht nicht die Wunschlösung. Beide Wege sind eine Form der Selbstbestimmung.

Wie wird der Datenschutz bei der SMK gehandhabt angesichts der sensiblen Gesundheitsdaten?

Aebi: Die gesamte Arbeit entspricht den Datenschutzrichtlinien. Wenn die SMK eine vermittelnde Aufgabe hat, müssen die Betroffenen eine Einverständniserklärung ausfüllen. Damit geben sie der SMK die Erlaubnis, die benötigten Informationen einzuholen und an das Pflegeheim weiterzugeben. Die Dienstleistung der SMK ist aktuell kostenlos.

Wer finanziert das Ganze?

Aebi: Es gibt drei Finanzierungssäulen: eine Anschubfinanzierung vom Kanton Bern durch Förderbeiträge, Eigenmittel der Partnerinnen und Partner des Gesundheitsnetzes Emmental und Versicherungsmodelle der integrierten Versorgung.

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«Wir wollen uns vernetzen und dadurch effizienter werden für Betroffene – sie sollen im Zentrum stehen und im Dschungel der Gesundheitsversorgung unterstützt werden.»

Nicola Julia Aebi
Projektleiterin Gesundheitsnetz Emmental

Für welche Anliegen ist die SMK nicht zuständig?

Lanz: Wir sind keine Ansprechpersonen für akute medizinische Behandlungen, wenn man sich zum Beispiel in den Finger schneidet. Wir sind eine Beratungs- und Informationsstelle, die koordiniert, aber nicht pflegt oder ärztlich betreut.

Was nützt die SMK den Leistungserbringern?

Aebi: Die SMK soll eine effiziente Ressourcennutzung ermöglichen, eine engere Zusammenarbeit fördern und den koordinativen Aufwand verringern. Wenn zum Beispiel Hausärztinnen oder Hausärzte einen Pflegeheimplatz suchen, können sie sich an uns wenden und wir entlasten sie dabei.

Gab es einen bestimmten Beweggrund, weshalb die SMK ins Leben gerufen wurde?

Aebi: Ja, der Kanton Bern verfolgt eine Gesundheitsstrategie. Eine Teilstrategie davon ist die integrierte Versorgung. Der Verein «gesund i. E.», der das Dach des Gesundheitsnetzes Emmental bildet, hat im Rahmen dieser Strategie entschieden, das Gesundheitsnetz Emmental zu gründen und darin die sozialmedizinische Koordinationsstelle zu etablieren.

Was motiviert Sie persönlich bei Ihrer Arbeit, Frau Lanz?

Lanz: Das Miteinander und der Wille, näher zusammenzurücken, um als Region gut zu funktionieren. Das bereitet mir Freude. Persönlich motiviert mich auch die Begleitung von Betroffenen und Angehörigen. Es ist schön, diese Menschen auf ihrem persönlichen Weg zu unterstützen.

Und Sie, Frau Aebi, was bedeutet es Ihnen, das Gesundheitsnetz mitzuverantworten und aufzubauen?

Aebi: Es macht viel Freude, innovativ zu sein und diese Lösung im Emmental mitzugestalten. Die Zusammenarbeit ist unglaublich bereichernd. Es ist auch ein schöner Gedanke, dass die Bevölkerung, die Patientinnen und Patienten oder Betroffenen wieder mehr im Zentrum stehen und man ihnen Orientierung und damit Halt geben kann.

Erfahren Sie mehr zum Gesundheitsnetz Emmental.


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