Wichtige Brücke zum Spital
Hausarztpraxen sind oft die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten und eine wichtige Schnittstelle zum Spital. Zwei Hausärztinnen der Burgdorfer Stadtbachpraxis erklären, wann eine Überweisung nötig ist und welche Patientinnen und Patienten sie in der Praxis behandeln.
Text: Kerstin Wälti
Für viele Menschen beginnt der Weg ins Spital nicht im Rettungswagen oder im Notfallzentrum, sondern in der Hausarztpraxis. Hier wird oft zum ersten Mal eingeschätzt, wie ernst eine Situation ist – und ob eine Behandlung vor Ort ausreicht oder eine Einweisung notwendig wird. Für das Spital Emmental sind Hausärztinnen und Hausärzte deshalb zentrale Partner: Sie begleiten Patientinnen und Patienten, treffen erste Entscheidungen und steuern, wenn nötig, den nächsten Schritt.
In der Stadtbachpraxis in Burgdorf übernehmen diese Rolle unter anderem Carla Schulze, Hausärztin und Geschäftsführerin, sowie Simea Kramer, Hausärztin und Mitglied der Geschäftsleitung. Beide kennen nicht nur den Praxisalltag, sondern auch die Abläufe im Spital aus eigener Erfahrung. «Wir sind oft die erste Anlaufstelle für medizinische Fragen», sagt Simea Kramer. «Und damit auch ein wichtiger Zugang zum Spital.» Die Entscheidung, ob jemand überwiesen wird, gehört zu den zentralen Aufgaben der Hausarztmedizin – und ist oft komplexer, als es von aussen wirkt.
Wann Spital, wann Hausarztpraxis?
In manchen Fällen ist die Situation eindeutig. Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall, gibt es keinen Spielraum. «Dann schicken wir die Patientinnen und Patienten direkt ins Spital», sagt Carla Schulze. Auch bei akuten Bauchschmerzen, bei denen beispielsweise eine Blinddarmentzündung rasch operiert werden muss, oder bei starken Verschlechterungen von Herz- und Lungenerkrankungen ist rasches Handeln entscheidend. Typische Warnzeichen sind etwa starke Atemnot selbst in Ruhe oder Veränderungen der Kreislaufparameter wie Puls, Blutdruck oder Sauerstoffsättigung. In solchen Situationen ist eine engmaschige Überwachung notwendig, die nur im Spital gewährleistet werden kann. Doch nicht immer ist die Entscheidung so klar.
«Manchmal ist nicht sofort ersichtlich, ob etwas harmlos ist oder sich zu etwas Ernstem entwickeln könnte.»
Carla Schulze
Hausärztin und Geschäftsführerin der Stadtbachpraxis
Dann spielen zusätzliche diagnostische Abklärungen und Erfahrung eine entscheidende Rolle. Ebenso wichtig ist die Frage, wie gut man eine Patientin oder einen Patienten kennt und ob eine zeitnahe Kontrolle möglich ist. «Wenn wir jemanden eng begleiten und zeitnah für eine Kontrolle aufbieten können, entscheiden wir uns eher für eine Behandlung in der Praxis», erklärt Simea Kramer. «Wenn das nicht möglich ist, zum Beispiel vor einem Wochenende, überweisen wir eher ins Spital.»
Medizinische und soziale Faktoren im Blick
Die Möglichkeiten in der Hausarztpraxis sind heute breit: EKG, Ultraschall, Röntgen, Labor oder Lungenfunktionstestung können direkt vor Ort durchgeführt werden. Nicht jeder Notfall muss deshalb im Spital behandelt werden. «Wir halten jeden Tag einige Zeitslots für Notfallpatientinnen und -patienten frei, damit wir diese noch am selben Tag sehen und behandeln können», sagt Simea Kramer. Gerade bei älteren Patientinnen und Patienten spielen neben den medizinischen auch soziale Faktoren eine wichtige Rolle. Wenn jemand allein lebt, sehr geschwächt ist oder regelmässig überwacht werden muss, kann eine stationäre Aufnahme sinnvoll sein. Auch Therapien wie wiederholte Antibiotikainfusionen oder intravenöse Schmerzmedikamente lassen sich im Spital oft besser und sicherer durchführen.
Direkte Kommunikation mit dem Spital
Die Zusammenarbeit mit dem Spital Emmental beschreiben die beiden Ärztinnen als eng und unkompliziert. Dass beide das Spital aus eigener Tätigkeit kennen, erleichtert den Austausch zusätzlich. «Man weiss, wie die Abläufe funktionieren, und kennt oft auch die Ansprechpartner», sagt Carla Schulze. In der Regel nehmen die Hausärztinnen direkt mit der zuständigen Oberärztin, dem zuständigen Oberarzt oder der Assistenzärztin beziehungsweise dem Assistenzarzt Kontakt auf und übermitteln einen Bericht inklusive erster Laborresultate. Manchmal wird auch gemeinsam entschieden, welches Setting am besten geeignet ist – ob Notfall, stationäre Aufnahme oder beispielsweise eine Behandlung in der Tagesklinik. Auch nach der Überweisung bleibt die Hausarztpraxis eingebunden. Sie erhält Rückmeldungen über den Verlauf, übernimmt nach dem Spitalaufenthalt wieder die Betreuung und stellt sicher, dass Therapieanpassungen verstanden und umgesetzt werden.
«Wir geben unsere Patientinnen und Patienten nicht einfach ab. Wir begleiten sie weiter.»
Simea Kramer
Hausärztin und Mitglied der Geschäftsleitung der Stadtbachpraxis
Gerade diese langfristige Beziehung ist ein wesentlicher Unterschied zur Arbeit im Spital. «Wir kennen viele unserer Patientinnen und Patienten seit Jahren», sagt Carla Schulze. «Wir wissen, was sie beschäftigt, wie sie leben und welche Vorgeschichte sie haben.» Dieses Vertrauen bildet eine wichtige Grundlage für die medizinische Betreuung.