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03. Mai 2026

«Es ist immer ein spezieller Moment, wenn ein Mensch zur Welt kommt»

Margreth von Ballmoos und Christa Gutknecht leiten gemeinsam mit Gabriella Grassi die Abteilung Gynäkologie/Geburtshilfe der Frauenklinik am Spital Emmental. Im Interview sprechen die beiden Hebammen über die Gebärmöglichkeiten in Burgdorf und die Begleitung von der Schwangerschaft bis zur Nachsorge.

Text: Luk von Bergen • Geprüft von: Margreth von Ballmoos und Christa Gutknecht, Abteilungsleitung Gynäkologie/Geburtshilfe Frauenklinik 

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Sie beide stehen seit Jahrzehnten im Gebärsaal. Wie viele Geburten haben Sie schon miterlebt?

Margreth von Ballmoos: Ich bin seit 31 Jahren Hebamme. Die Geburten zähle ich bewusst nicht. Bei jedem Kind, das zur Welt kommt, denke ich: Ah, das ist jetzt wieder das Schönste.

Christa Gutknecht: Jedes Geburtserlebnis ist einzigartig. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Geburten, sondern stets eine gute Betreuungsqualität zu bieten – das ist seit 20 Jahren mein oberstes Ziel.

Welche Fähigkeiten muss eine Hebamme mitbringen?

Christa Gutknecht: Eine Hebamme muss offen sein für Menschen mit verschiedenen soziokulturellen Hintergründen, Empathie mitbringen und belastbar sein – körperlich und emotional. Geduld ist entscheidend, um die Bedürfnisse der Frauen zu erkennen und Verantwortung zu übernehmen. Ausserdem ist die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen unerlässlich.

Margreth von Ballmoos: Unsere Aufgabe ist es, Frauen zu begleiten, ohne deren Ängste zu verstärken. Wir versuchen, ihnen Sicherheit und Vertrauen zu geben, besonders wenn sie zum ersten Mal Mutter werden.

Wie sieht diese Begleitung bereits während der Schwangerschaft aus?

Margreth von Ballmoos: Vor 20 Jahren war der Gynäkologe oder die Gynäkologin erste Ansprechperson für die schwangere Frau. Aktuell verändert sich das. Heute ist mehr Teamwork gefragt. Immer mehr Frauen wählen eine kombinierte Begleitung durch Hebammen und Ärztinnen oder Ärzte. Als Hebammen sind wir Vertrauenspersonen und Ansprechpartnerinnen während der gesamten Schwangerschaft.

Christa Gutknecht: Wenn man schon früh Zeit miteinander verbringt, kann man die Frau besser kennenlernen und eine Verbindung aufbauen. Jede Frau ist anders – manche brauchen Sicherheit durch Kontrolluntersuchungen und möchten unbedingt alle Tests durchführen. Andere wählen bewusst weniger Untersuchungen, weil sie dieses Bedürfnis nicht haben. Unser Ziel ist es, herauszufinden, wie wir die jeweilige Person unterstützen können.

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«Entscheidend ist nicht die Anzhal der Geburten, sondern stets eine gute Betreuungsqualität zu bieten — das ist seit 20 Jahren mein oberstes Ziel.»

Christa Gutknecht
Abteilungsleitung Gynäkologie/Geburtshilfe Frauenklinik 

Informationen findet man heute auch im Internet. Google als Informationsquelle – sinnvoll oder eher problematisch?

Christa Gutknecht: Informationen einzuholen ist in Ordnung. Es gibt aber auch Frauen, denen ich sagen muss: «Stopp, jetzt wird nicht mehr gegoogelt, es tut dir nicht gut.» Nicht alles im Netz ist förderlich und relevant. Als Hebammen können wir gezielt aufzeigen, was für die Frau gerade wichtig ist und wie sie in Notfällen reagieren kann.

Margreth von Ballmoos: Früher gab es den Ausdruck «in guter Hoffnung sein». Heute wird dieses Vertrauen oft durch die enorme Informationsflut gestört, was Angst und Bedenken auslösen kann. Das ist keine gute Begleitung in der Schwangerschaft.

Am Spital Emmental in Burgdorf gibt es zwei Möglichkeiten, zu gebären: im Geburtshaus oder in der Frauenklinik. Was sind die Unterschiede?

Christa Gutknecht: Grundsätzlich nehmen wir die Familie überall gleich in Empfang. Wir klären die Bedürfnisse ab und schauen, was die beste Lösung ist. Der Unterschied zwischen Geburtshaus und Frauenklinik ist folgender: In der Frauenklinik ist der Arzt oder die Ärztin präsenter und stets informiert, im Geburtshaus entscheidet die Hebamme, wann ärztliche Unterstützung nötig ist. Verschiedene Räume, eine Badewanne, eine individuelle Atmosphäre mit Musik sowie Angebote wie Aromatherapie oder Akupunktur stehen an beiden Orten zur Verfügung.

Margreth von Ballmoos: Im Gegensatz zur spitalnäheren Frauenklinik herrscht im Geburtshaus eher eine wohnliche, heimelige Atmosphäre. Medizinische Unterstützung ist aber auch hier jederzeit gewährleistet.

Die Geburten sind sogenannt hebammengeleitet. Was bedeutet das genau?

Christa Gutknecht: Das bedeutet, dass die Hebamme bei der Geburt im Lead ist. Läuft etwas nicht normal, kann sie ärztliche Hilfe beiziehen. In Notfällen koordiniert sie das interprofessionelle Team.

Margreth von Ballmoos: Eine hebammengeleitete Geburt bietet sich vor allem bei gesunden Frauen mit normal verlaufender Schwangerschaft an.

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«Als Hebammen sind wir Vertrauenspersonen und Ansprechpartnerinnen während der gesamten Schwangerschaft.»

Margreth von Ballmoos
Abteilungsleitung Gynäkologie/Geburtshilfe Frauenklinik 

Wie geht es nach der Geburt weiter?

Margreth von Ballmoos: Das Baby darf direkt auf den Bauch der Mutter, das ist jeweils ein ganz spezieller Moment. Wir nennen das auch Bonding – eine Art Verknüpfung der beiden Personen, der Boden ihrer Beziehung. Es geht darum, einander kennenzulernen und die Signale des Kindes zu deuten. Was braucht es? Hat es Hunger? Warum weint es und wie können wir es beruhigen? Bei all dem unterstützen wir die Eltern.

Christa Gutknecht: Ein Kind zu bekommen, ist für die Eltern eine riesige Umstellung – gerade bei Erstgebärenden. Wir helfen dabei, das kleine Wesen kennenzulernen, Bedürfnisse von Kind und Eltern zu erkennen und Strategien zu entwickeln, um der Familie den Einstieg in den neuen Alltag zu erleichtern.

Welche Rolle spielen heutzutage die Väter bei der Geburt?

Christa Gutknecht: Heute ist es für viele Väter selbstverständlich, bei der Geburt dabei zu sein und ihre Partnerin auch davor und danach zu unterstützen. Aber es gibt auch Fälle, bei denen kein Mann präsent ist. Hier empfehlen wir den Frauen, eine andere Vertrauensperson mitzubringen.

Wie erleben Sie als Hebammen dieses Ereignis?

Margreth von Ballmoos: Es ist immer ein spezieller Moment, wenn ein Mensch zur Welt kommt, sich bemerkbar macht und die Augen öffnet. Auch wenn eine Geburt für uns Hebammen ziemlich anstrengend sein kann, bin ich meist erst zu Hause so richtig müde. Im Gebärsaal funktionieren wir einfach.

Welche Geburt bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Christa Gutknecht: Die emotionalste Geburt ist immer jene, bei der ich als Letztes dabei war. Manchmal begleite ich auch junge Hebammen oder bin unterstützend als zweite Hebamme mit etwas Distanz im Gebärzimmer – auch diese Momente sind magisch.

Margreth von Ballmoos: Mir geht es ähnlich. Es ist auch immer wieder schön, Frauen, die ich bei der Geburt begleitet habe, nach Jahren wiederzusehen. 31 Jahre Arbeit zeigen mir immer wieder, wie wertvoll diese Momente sind.

Die Geburtshilfe am Spital Emmental wurde 2024 mit dem Viktor Award ausgezeichnet. Was bedeutet es Ihnen, in der «behaglichsten Geburtenabteilung» des Landes zu arbeiten?

Margreth von Ballmoos: Viel, das war ein besonderer Moment. Zum ersten Mal überhaupt wurde eine Geburtenabteilung mit einem Viktor ausgezeichnet – allein durch Stimmen aus der Bevölkerung. Das hat uns sehr geehrt und zeigt, dass unsere Arbeit wahrgenommen wird.

Geburtshilfe Spital Emmental

Die Geburt ist ein sehr persönliches und intimes Erlebnis der werdenden Eltern. Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind natürliche Prozesse, denen wir mit Respekt begegnen. Während dieser Zeit bilden Familie, Hebamme und Ärztin/Arzt ein Team, wobei unsere Rolle eine begleitende, unterstützende ist, nach dem Motto: So wenig wie möglich - so viel wie nötig.

Hier erfahren Sie mehr zur Geburtshilfe.


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