Moderne Diagnosemöglichkeiten bei Brustkrebs
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Dank moderner Diagnosetechniken kann er heute oft schon in einem sehr frühen Stadium erkannt werden – lange bevor Symptome auftreten. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Mammotome-Biopsie, ein präzises und schonendes Verfahren zur Gewebeentnahme.
Text: Anja Gerber • Geprüft von: Dr. med. Alexandrina Nikolova, Leitende Ärztin Radiologie
Veränderungen im Brustgewebe sind nicht immer tastbar. Deshalb ist es sinnvoll, regelmässig an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen. Ziel ist es, Brustkrebs möglichst früh zu entdecken und entsprechend behandeln zu können. Zur Früherkennung werden verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt. Zu den wichtigsten gehören die Mammografie (Röntgenuntersuchung), die Sonografie (Ultraschall) und die Magnetresonanztomografie (MRI). Diese Methoden ermöglichen es, selbst kleinste Veränderungen oder Verdichtungen im Brustgewebe sichtbar zu machen. Besonders aufmerksam werden Ärztinnen und Ärzte, wenn bei einer Untersuchung sogenannter suspekter Mikrokalk entdeckt wird – winzige Kalkablagerungen, die ein Hinweis auf eine beginnende Tumorbildung sein können.
Minimalinvasive Biopsie zur genauen Abklärung
«Nicht jeder Fund von Mikrokalk bedeutet automatisch eine Krebsdiagnose – allerdings sollte suspekter Kalk genauer abgeklärt werden», erklärt Alexandrina Nikolova, Leitende Ärztin in der Radiologie am Spital Emmental. Für diese Abklärung steht heute die Mammotome-Biopsie zur Verfügung. Dieses moderne, minimalinvasive Verfahren ermöglicht es, gezielt Gewebeproben aus der Brust zu entnehmen – unter bildgebender Kontrolle mithilfe der Mammografie. «Durch die Mammografie lässt sich der Mikrokalk millimetergenau lokalisieren. So können sowohl die Stelle für die Gewebeentnahme als auch die Einstichstelle für die Biopsie sehr präzise bestimmt werden», sagt Alexandrina Nikolova. Bei der Untersuchung wird nur eine kleine Menge Gewebe entfernt. Dadurch gilt der Eingriff als besonders schonend.
«Nicht jeder Mikrokalk bedeutet automatisch Brustkrebs – aber er sollte sorgfältig abgeklärt werden.»
Alexandrina Nikolova
Leitende Ärztin Radiologie Spital Emmental
So läuft die Untersuchung ab
Ein Termin für eine Mammotome-Biopsie dauert insgesamt etwa 30 bis 40 Minuten, die eigentliche Gewebeentnahme jedoch nur rund drei Minuten. Nach einer vorbereitenden Mammografie wird die Brust lokal betäubt, damit der Eingriff möglichst angenehm verläuft. Anschliessend wird mit einer speziellen Nadel über ein Vakuumsystem ein kleiner Teil des suspekten Gewebes entnommen. «Manche Frauen spüren während der Biopsie einen leichten Druck oder ein Ziehen, was unangenehm sein kann», erklärt Alexandrina Nikolova, die auf diese Untersuchung spezialisiert ist. «Abbrechen musste ich eine Biopsie in meiner bisherigen Laufbahn deswegen aber noch nie.»
Untersuchung der Gewebeproben
Nach der Entnahme werden die Gewebeproben im Labor sorgfältig untersucht. Bestätigt sich der Verdacht auf einen Tumor, ist dies für die Betroffenen meist ein grosser Schock, der mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden ist. «In dieser Situation ist es mir besonders wichtig, die betroffenen Frauen zu unterstützen und bestmöglich zu betreuen – jede Frau hat bei einer solchen Diagnose Angst», betont Alexandrina Nikolova. Wird Brustkrebs diagnostiziert, besprechen Fachpersonen aus verschiedenen medizinischen Disziplinen jeden Fall gemeinsam im Tumorboard. Anschliessend wird ein individueller Behandlungsplan erstellt und gemeinsam mit der Patientin besprochen.
Früh erkannt – bessere Heilungschancen
Die moderne Brustdiagnostik hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Je früher eine Veränderung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und die Heilungschancen. «Deshalb sind regelmässige Brustkrebs-Screenings unglaublich wichtig für die Früherkennung», betont Alexandrina Nikolova. Wird Brustkrebs früh entdeckt, reicht häufig eine brusterhaltende Operation, bei der nur ein kleiner Teil des Gewebes entfernt werden muss. In vielen Fällen kann die Brust dadurch erhalten bleiben.