Dienstjubiläum: 25 Jahre Susanne Bürki
Seit 25 Jahren steht Susanne Bürki im Einsatz für Menschen in Not. Was sie in dieser Zeit erlebt hat, wie sich der Beruf verändert hat und weshalb sie bis heute mit Leidenschaft im Rettungsdienst und in der Anästhesie arbeitet, erzählt sie im Gespräch.
Text: Teresa Schmidt
Eigentlich wusste Susanne Bürki lange nicht, was sie beruflich machen wollte. «Ich hatte das Gefühl, dass Hochbauzeichnerin oder Köchin etwas für mich sein könnte. Bei der Berufsberatung kamen Hebamme oder Kindergärtnerin als Ergebnisse raus und ich wusste, dass es das eher nicht sein wird. Meine Schwester wollte Krankenschwester werden – und ich dachte mir: Dann werde ich das eben auch», erzählt sie schmunzelnd. Heute sagt sie: «Ich bin froh, dass ich so entschieden habe – aber, dass dieser Beruf nicht meine Endstation sein würde, war mir schon damals klar.» Noch während der Ausbildung zur «Krankenschwester» DN II an der städtischen Krankenpflegeschule Engeried in Bern kam Susanne Bürki für ein Praktikum nach Langnau. Dort kam sie erstmals in Kontakt mit dem Rettungsdienst – ein Erlebnis, das alles veränderte. «Ich wusste sofort: Das ist es!», erinnert sie sich. Heute ist sie die dienstälteste Mitarbeiterin im Rettungsdienst des Spitals Emmental.
Anfänge mit Improvisation und viel Einsatz
Damals war der Rettungsdienst noch direkt an die Abteilung gebunden. «Wenn man also Dienst hatte und der Notruf kam, musste man einfach los – egal, bei welcher Arbeit man war. Zum Ausrücken wurde auserkoren, wer die besten Schuhe dabeihatte und so ging man auf Einsatz», erzählt Susanne Bürki schmunzelnd. Erst später wurde das System klar getrennt und neu organisiert – eine wichtige Entwicklung für alle Beteiligten. Die Arbeit war und ist herausfordernd, aber sehr erfüllend. «Ich hatte immer grossartige Teamkolleginnen und -kollegen, und wir tragen uns gegenseitig – das ist für mich etwas sehr Entscheidendes, gerade in den schwierigen Momenten», sagt sie. So erlebte Susanne Bürki gleich in ihrer ersten Woche im Rettungsdienst einen tragischen Todesfall einer Berufskollegin – ein Erlebnis, das sie fast dazu brachte aufzuhören.
Beruf im Wandel
Viel hat sich verändert in 25 Jahren. «Früher wurden wir oft zu spät gerufen, heute manchmal zu Bagatellen. Von den Einsätzen bleibt immer etwas zurück, vor allem die Gerüche und Geräusche, die einen je nach Situation auch einholen können», sagt die erfahrene Rettungssanitäterin. Auch der Umgangston und das Verhalten der Menschen haben sich verändert: «Die Gewaltbereitschaft ist grösser geworden, und die Wertschätzung gegenüber Einsatzkräften ist nicht mehr selbstverständlich», fährt Susanne Bürki fort. Trotzdem liebt sie ihren Beruf – gerade, weil kein Tag dem anderen gleicht. Was geblieben ist: die Faszination für Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen. Die Rettungssanitäterin erklärt ihren Alltag so: «Wir begegnen Menschen in sehr verletzlichen Momenten. Da braucht es neben dem Fachwissen, Ruhe, Respekt und gesunden Menschenverstand. Ich habe schon viel gesehen und es gibt Situationen, von denen ich hoffe, dass ich sie nicht nochmal sehen werde.»
Bodenhaftung und Ausgleich in den Bergen
Ihren Ausgleich findet Susanne Bürki in den Bergen. Frühmorgens unterwegs zu sein, den Sonnenaufgang auf einem Grat zu erleben – das ist ihr Gegenpol zum oft hektischen Alltag. «Mich hat das Hüttenfieber gepackt. Ich bin als Hüttenhilfe in einer SAC-Hütte tätig – das erdet mich enorm», erzählt sie lachend. Auch die Musik begleitet sie seit über 35 Jahren: Sie spielt Klarinette in einer Musikgesellschaft mit Mitgliedern von Jugendlichen bis ins hohe Alter.
Mit Erfahrung und Demut unterwegs
Sollte sich Susanne Bürki irgendwann nicht mehr für den Rettungsdienst oder Anästhesie begeistern können, würde sie in die Geriatrie zurückgehen, die sie bereits während der Ausbildung fasziniert hatte. «Der betagte Mensch ist für mich sehr spannend. Niemand kann so grossartige Geschichten über das Leben erzählen», sagt Susanne Bürki. Für junge Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter hat sie einen klaren Rat: «Bleibt am Boden. Seid euch bewusst, dass ihr Menschen in Ausnahmesituationen begegnet – und dass euch diese Erfahrungen prägen werden. Es braucht Demut und Wertschätzung für jeden einzelnen Einsatz.» Nach 25 Jahren im Dienst zieht Susanne Bürki ein zufriedenes Fazit: «Ich bin im Emmental, im Rettungsdienst und in der Anästhesie zu Hause – und unglaublich gern hier.»
Das Spital Emmental dankt Susanne Bürki herzlich für ihren Einsatz für unsere Patientinnen und Patienten.