Die Haut reagiert auf Krebsmedikamente
Neue Krebsmedikamente verbessern die Heilungschancen, bringen aber oft Haut- und Nagelveränderungen mit sich. Im Spital Emmental unterstützt eine spezialisierte Sprechstunde Betroffene dabei, Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und zu lindern.
Text: Kerstin Wälti • Geprüft: Christa Bögli, Fachverantwortliche Pflege | derma.onkologie Sprechstunde
Neue Krebstherapien ermöglichen heute eine individualisierte Behandlung, die besser auf die Betroffenen zugeschnitten ist. Doch die Fortschritte bringen auch neue Nebenwirkungen mit sich – besonders häufig betroffen ist die Haut. Um diesen Belastungen entgegenzuwirken, gibt es im Spital Emmental seit Kurzem eine Sprechstunde für dermatologische Reaktionen unter Tumortherapie.
Fortschritte mit Nebenwirkungen
In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Krebsmedikamente entwickelt und erfolgreich in der Behandlung eingesetzt. Die klassische Chemotherapie wird heute ergänzt durch zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien. Diese eröffnen bessere Heilungschancen und ermöglichen eine passgenaue Behandlung der Tumore. Doch auch diese modernen Medikamente sind nicht frei von Nebenwirkungen. Besonders betroffen sind Haut, Schleimhaut, Nägel und Haare. Veränderungen wie Trockenheit, Ausschläge oder sichtbare Haut- und Nagelprobleme beeinträchtigen nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten.
Frühzeitige Patientenschulung
Um diese Nebenwirkungen abzufedern, setzt das Spital Emmental auf frühzeitige Unterstützung. Bereits zu Beginn der Therapie erhalten die Betroffenen Hinweise zur Haut- und Nagelpflege. In der neuen Sprechstunde werden sie gezielt geschult, Veränderungen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. «Der Beratungsschwerpunkt ist die betroffenenorientierte Schulung», erklärt Christa Bögli, Fachexpertin in Onkologiepflege mit Weiterbildung in dermatologischen Phänomenen.
«Wir zeigen den Betroffenen, wie sie ihre Haut, Schleimhaut und Nägel pflegen und beobachten können – und wann sie bei uns Rat und Hilfe suchen sollten.»
Christa Bögli, Fachverantwortliche Pflege | derma.onkologie Sprechstunde
Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ursina Wüthrich führt sie die Sprechstunde durch. Am besten erfolgt der erste Termin bereits vor dem Therapiestart. Dabei wird der Zustand von Haut, Schleimhaut, Nägeln und Haaren beurteilt, dokumentiert und im Klinikinformationssystem hinterlegt. Die vorhandenen Hautbeschwerden werden aus Sicht der Betroffenen aufgenommen und die individuellen patienten- und therapiebezogenen Risikofaktoren zusammengetragen. Die angewendeten Pflegeprodukte werden mit einbezogen und je nach Situation ergänzt.
Vorbeugen und lindern
Ein wichtiger Teil der Beratung ist die Prävention. «Wenn die Haut von Anfang an mit den richtigen Produkten gepflegt wird, kann man einiges dazu beitragen, dass es zu weniger Reaktionen kommt», so Christa Bögli. In weiteren Sitzungen beurteilen die Fachexpertinnen Hautveränderungen und leiten – in Absprache mit dem ärztlichen Dienst – passende Massnahmen ein. Durch diese regelmässige Beurteilung können Nebenwirkungen frühzeitig erkannt und gezielt behandelt werden.
Therapieabbrüche vermeiden
Das Ziel der neuen Sprechstunde ist klar: die Therapie nicht durch Nebenwirkungen zu gefährden. «Unser Ziel ist es, zu verhindern, dass Patientinnen und Patienten ihre Behandlung wegen der Hautreaktionen pausieren oder gar abbrechen», betont Christa Bögli. «Mit einer frühzeitigen Behandlung der Symptome können wir die Lebensqualität erhalten – und damit auch den Therapieerfolg unterstützen.»