Ernährung bei Brustkrebs – den Körper unterstützen
Eine Brustkrebsdiagnose bringt den Körper und die Psyche aus dem Gleichgewicht. Neben Operation, Chemo- oder Strahlentherapie spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Sie kann den Krankheitsverlauf zwar nicht heilen, aber massgeblich dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern und die Genesung zu unterstützen.
Text: Teresa Schmidt
Mangelernährung und Gewichtsveränderungen
Zwischen 30 und 80 Prozent der Krebspatientinnen und -patienten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine Mangelernährung – abhängig von Tumorart, Tumorstadium und Therapieform. Besonders alarmierend: Rund jede fünfte betroffene Person stirbt nicht am Tumor selbst, sondern an den Folgen der Mangelernährung. Bei Brustkrebs kommt es zudem häufig zu einer Gewichtszunahme. Diese schliesst eine Mangelernährung jedoch nicht aus. Typisch ist dabei eine zu geringe Zufuhr an Energie und Nährstoffen, die den Körper langfristig schwächt und gleichzeitig den Abbau von Muskelmasse fördert. «Die Betroffenen haben während der Therapie oft weniger Hunger und essen reduzierter, sodass es bei Brustkrebspatientinnen häufig zum Verlust von Muskelmasse kommt», erklären Marzia Stämpfli und Eliane Steiner, Ernährungsberaterinnen am Spital Emmental.
Heilen durch Ernährung – ein Mythos?
Weder eine starke Gewichtszunahme noch ein drastischer Gewichtsverlust sind günstig für die Genesung. Im Gegenteil: Gewichtsschwankungen wirken sich negativ auf die Therapie und deren Erfolg aus. Durch eine ausgewogene Ernährung während und nach der Behandlung können Gewicht und Muskelmasse stabilisiert werden. «Heilen durch Ernährung ist jedoch ein Mythos», betonen die Expertinnen. Viele Patientinnen setzen sich unter Druck, weil sie das Gefühl haben, durch bestimmte Diäten den Krankheitsverlauf beeinflussen zu müssen. «Unser Ansatz ist es, diesen Druck wegzunehmen und die Betroffenen mit fundierten Informationen und individueller Beratung zu begleiten.»
Vorsicht bei Supplementen
Ein weiteres Thema sind Nahrungsergänzungsmittel. Diese können zwar hilfreich sein, bergen aber auch Risiken. «Mehr ist nicht immer besser», erklärt Eliane Steiner. Vitamine schützen den Körper – im schlechtesten Fall aber auch die Krebszellen und können dadurch die Therapie beeinträchtigen. Deshalb ist eine fachliche Beratung wichtig, bevor Supplemente eingenommen werden.
Individuelle Beratung statt starre Regeln
Grundsätzlich empfehlen die Ernährungsberaterinnen eine ausgewogene, frische und möglichst unverarbeitete Ernährung, die keine Lebensmittelgruppen ausschliesst. Allerdings können Therapien zu Geschmacksveränderungen oder Abneigungen gegenüber bestimmten Lebensmitteln führen. «Uns ist wichtig, die Patientin in ihrer individuellen Situation abzuholen», sagt Marzia Stämpfli. «Um dem Muskelabbau entgegenzuwirken, ist eine proteinreiche Ernährung zentral. Gleichzeitig berücksichtigen wir persönliche Wünsche oder Ernährungsstile – Hauptsache, es geht der Betroffenen besser.»
- Die Ernährungsberatung berät und coacht Betroffene in ihrer individuellen Ernährungssituation und erarbeitet gemeinsam Lösungsmöglichkeiten für eine nachhaltige Ernährungsumstellung und Verhaltensänderung.