Bewegung unterstützt den Heilungsprozess
Eine Brustkrebsdiagnose verändert das Leben schlagartig. Viele Betroffene haben in dieser Situation ganz andere Dinge im Kopf als Bewegung. Doch gerade sanfte Aktivität kann während und nach der Therapie wertvolle Unterstützung bieten. Sie hilft dem Körper, wieder Vertrauen zu gewinnen, den Heilungsprozess zu fördern – und sie gibt ein Stück Lebensqualität zurück.
Text: Teresa Schmidt
Warum Bewegung so wichtig ist
Nach einer Operation oder während der Therapie ist es verständlich, dass Sport nicht an erster Stelle steht. Dennoch lohnt es sich, den Körper vorsichtig zu mobilisieren. Jessica Krah, dipl. Physiotherapeutin am Spital Emmental, erklärt: «Wichtig ist, den Betroffenen zu zeigen, wie sie ihren Arm so bewegen können, dass das verletzte Gewebe mobilisiert, aber nicht überdehnt wird.» Es geht also nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern darum, das eigene Körpergefühl wiederzufinden. Mit fachkundiger Begleitung lässt sich Schritt für Schritt herausfinden, welche Bewegungen guttun und welche man lieber noch vermeiden sollte.
Lymphdrainage und Kompression
Nach einer Brustkrebsoperation wird häufig auch Lymphgewebe entfernt. Die Folge kann ein Lymphödem sein – ein geschwollener Arm oder ein asymmetrisches Körperbild. Hier bringen Lymphdrainagen und Kompressionsbehandlungen spürbare Erleichterung. Regelmässig angewendet, helfen sie nicht nur, die Schwellungen zu lindern, sondern auch, Gift- und Schlackenstoffe aus dem Körper zu transportieren. Für viele Betroffene bedeutet das: weniger Beschwerden, mehr Beweglichkeit und ein besseres Wohlbefinden.
Wenn die Nerven mitbetroffen sind
Vor allem Chemotherapien können sogenannte Polyneuropathien auslösen. Dabei lagern sich Substanzen der Medikamente in Händen und Füssen ab – es kommt zu Taubheitsgefühlen. Manche Betroffene haben dann das Gefühl, ins Leere zu greifen oder zu treten. Auch hier kann gezieltes Training helfen: Übungen zur Koordination und Gangstabilität geben Sicherheit im Alltag und reduzieren das Risiko, ins Straucheln zu geraten.
Schritt für Schritt statt Leistungsdruck
«Nach einer Brustkrebsdiagnose haben die Patientinnen sehr viel zu verarbeiten – die Diagnose, den Behandlungsplan, die Operation und die Folgen für den Alltag», so Jessica Krah weiter. Deshalb geht es nicht darum, ein strenges Sportprogramm zu absolvieren. Schon kleine Bewegungen, die Freude bereiten und den Körper sanft fordern, können einen grossen Unterschied machen.
Fazit: Bewegung ist ein wichtiger Teil des Heilungsprozesses – sanft, individuell und im eigenen Tempo. Mit professioneller Begleitung und etwas Geduld kann sie dabei helfen, Körper und Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen.