Bonding und Stillen: Sicherer Start ins Leben
Der Start ins Leben ist ein sensibler Moment – für das Neugeborene ebenso wie für die Eltern. Alles ist neu, ungewohnt und überwältigend. Umso wichtiger sind jene ersten Sekunden und Minuten, in denen Nähe, Wärme und Berührung ein Gefühl von Sicherheit entstehen lassen. Bonding und Stillen schaffen genau diesen geschützten Raum und legen die Basis für ein gesundes, geborgenes Ankommen.
Text: Teresa Schmidt • Geprüft: Miriam Hurni, Stv. Abteilungsleitung Gynäkologie und Wochenbett
Bonding – der «Boden» fürs Leben
Im Mutterleib ist ein Kind rundum geschützt: warm, versorgt und sicher vor äusseren Einflüssen. Doch mit der Geburt ändert sich alles – neue Umweltfaktoren, ungewohnte Geräusche, Licht, Temperaturunterschiede. Plötzlich braucht das Neugeborene Unterstützung, um sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden.
Hier setzt das Bonding an – der erste, unmittelbare Hautkontakt zwischen Eltern und Kind nach der Geburt.
Dieser Moment ist weit mehr als nur schön:
- Sicherheit & Geborgenheit: Die Mutter ist hormonell in höchster Achtsamkeit und schenkt dem Kind durch Zuwendung, Nähe und Wärme Schutz.
- Gesundheitsförderung: Hautkontakt unterstützt den Aufbau einer gesunden Darmflora und hilft dem Neugeborenen, seine Temperatur zu regulieren.
- Beziehungsstärkung: Bonding vertieft die Bindung und stärkt das Urvertrauen – sowohl bei Mutter und Kind als auch beim Vater, wenn er das Neugeborene hält.
Unter dem Bondingtuch, direkt auf der Haut der Mutter, wird die vorgeburtliche Verbindung weitergeführt und ein sicherer Boden für das Leben gelegt.
Stillen – viel Schutz fürs Leben
Im besten Fall schliesst sich an das Bonding das Stillen an. Dabei erhält das Kind zunächst das sogenannte Kolostrum – eine «erste Milch», die reich an Proteinen, Antikörpern, Vitaminen und wertvollen Mikroorganismen ist. Diese Inhaltsstoffe fördern die Entwicklung der Darmflora und stärken das Immunsystem.
Muttermilch passt sich dem Alter und den Bedürfnissen des Kindes an: Die Milch einer Mutter mit einem frühgeborenen Kind unterscheidet sich in ihrer Zusammensetzung von der Milch einer Mutter mit einem termingeborenen Kind.
Stillen ist Schutz und Förderung in vielerlei Hinsicht:
- Für das Kind: Schutz vor Krankheiten wie Übergewicht und Diabetes Typ 2, Schutzfaktor gegen das Auftreten des plötzlichen Kindstodes, Förderung des Immunsystems, Sicherheit durch Körperkontakt und eine stabile Basis für Urvertrauen.
- Für die Mutter: Das Stillen reduziert das Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Ausserdem fördern die Stillhormone die Rückbildung, was wiederum die Blutungsgefahr nach einer Geburt reduziert.
Das Spital Emmental unterstützt Mütter beim Stillen und handelt nach den, von der UNICEF empfohlenen, 10 Schritten zum Erfolgreichen Stillen. Aber auch Mütter, die nicht stillen möchten oder können, werden intensiv dabei unterstützt, ihr Kind zu ernähren. Eine liebevolle, achtsame Fütterung in engem Körperkontakt unterstützt die Bindung und die Sicherheit des Kindes ebenso.
Gemeinsam sicher ins Leben
Bonding und Stillen sind weit mehr als nur schöne Rituale nach der Geburt. Sie sind zentrale Bausteine, um Risiken zu reduzieren und die Gesundheit von Neugeborenen langfristig zu fördern. Geburtshilfe-Teams schaffen die Rahmenbedingungen dafür, dass Familien in diesen sensiblen ersten Stunden unterstützt werden – für einen sicheren, liebevollen Start ins Leben. Denn die Sicherheit von Patientinnen und Patienten beginnt im ersten Moment des Lebens – und ein sicherer Anfang wirkt ein Leben lang.
- Seit 2005 trägt unsere Abteilung die Auszeichnung Baby freundliches Spital, welches vom Kinderhilfswerk UNICEF der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation WHO vergeben wird. Das Label garantiert eine hohe Pflege- und Betreuungsqualität in der Geburtshilfe und in der ambulaten Nachsorge. Das vorrangige Ziel der «Baby Friendly Hospital»-Initiative ist die Förderung des Stillens gesunder Neugeborener und ein möglichst intensiver Kontakt zwischen Mutter und Baby bereits im Spital.
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