Kein Notfall ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit
Gespräche mit Patientinnen und Patienten sind für Christiane Arnold ebenso wichtig wie die bildgebende Diagnose mit dem Ultraschallgerät und der Austausch im Team. Wie sie den Alltag als Notfallmedizinerin erlebt, berichtet sie im Blog.
Text: Teresa Schmidt • Geprüft: Dr. med. Christiane Arnold Ferrari, Leitende Ärztin Allgemeine Innere Medizin
«Als Leitende Ärztin ist es meine Aufgabe, ein Gesamtbild über unsere Patientinnen und Patienten zu haben und für sie, gemeinsam mit dem Team, die bestmögliche Versorgung, egal ob ambulant oder stationär, aufzugleisen», sagt Christiane Arnold über ihre Rolle als Leitende Ärztin für klinische Notfallmedizin.
Herausforderungen der Notfallmedizin
Die Notfallmedizin ist spannend und es ist fast unmöglich, sich auf einen Tag auf der Notfallstation vorbereiten, da niemand weiss, welche Situationen zu bewältigen sind. Es kann aber auch herausfordernd werden, vor allem dann, wenn viele Patientinnen und Patienten auf den Notfall kommen. Christiane Arnold beschreibt die Herausforderungen so: «Unsere Tage sind unberechenbar und sehr voll. Da wir nie wissen, welche Fälle wir behandeln, müssen wir auf alles eingestellt sein. Oftmals betreuen wir mehrere Patientinnen und Patienten auf einmal und es kann herausfordernd sein, Prioritäten bei der Reihenfolge der Fälle und der Behandlungen zu treffen. Es ist eine spannende Herausforderung, für die Patientinnen und Patienten eine gute und effiziente Diagnose- und Behandlungsstrategie aufzustellen.»
Wiederholungen mit besonderer Bedeutung
Das Team der Notfallstation ist immer wieder damit konfrontiert, Patientinnen und Patienten zu erklären, warum sie ihre Krankheitsgeschichte mehrmals erzählen müssen – dem Pflegepersonal, den Assistenzärztinnen und -ärzten und den leitenden Fachpersonen. «Das ist vielleicht manchmal etwas unverständlich für die Betroffenen, aber für uns enorm wichtig, weil wir uns so ein Gesamtbild schaffen. Es kommt nicht selten vor, dass die Pflegefachpersonen etwas anderes zu hören bekommen als wir Ärztinnen und Ärzte. Dies passiert nicht böswillig, sondern ist menschlich. Wir benötigen jedoch alle Informationen, damit wir die richtige Verdachtsdiagnose stellen und damit auch die weitere Behandlung bestimmen können. Zudem sind wir ein Ausbildungsspital und möchten unseren Assistenzärztinnen und Ärzten Wissen und das Vertrauen in sich selbst vermitteln», erklärt die ausgebildete Internistin weiter.
POCUS und die Möglichkeiten eines Bildes
Wenn es um die Entscheidungsfindung in einem Fall geht, dann arbeitet Christiane Arnold intensiv mit dem Ultraschallgerät. Dieses hilft ihr und den Patientinnen und Patienten, sich ein klares Bild zu verschaffen: «Das System, mit dem wir arbeiten heisst Point-of-Care-Ultraschall, kurz POCUS, und bezeichnet den gezielten Einsatz von Ultraschallgeräten mit einer klaren Fragestellung. Damit können wir bei punktuellen Fragestellungen, beispielsweise Schmerzen im Bauchraum, mithilfe eines Ultraschalls rasch herausfinden, welche Ursache es z. B. für Schmerzen geben könnte», erklärt die Leitende Ärztin.
Auf dem Notfall hilft die Bildgebung dabei, eine rasche Diagnose zu stellen und damit die weitere Behandlung organisieren zu können. Zudem kommt Christiane Arnold so auch intensiver ins Gespräch mit den Patientinnen und Patienten.
«Die Patientinnen und Patienten schätzen diese Art der Untersuchung in der Regel sehr, so können wir gemeinsam am Bild eine Diagnose besprechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Patientinnen und Patienten mit dem Ultraschall oft auch gut und umfassend untersucht fühlen.»
Dr. med. Christiane Arnold
Leitende Ärztin Allgemeine Innere Medizin
Notfallmedizin als Privileg
Christiane Arnold arbeitet sehr gern auf dem Notfall und schätzt den Kontakt mit den Menschen, sowohl den Patientinnen und Patienten als auch dem Team. Die Notfallmedizinerin baut durch Gespräche und Ultraschalluntersuchungen in kurzer Zeit eine Beziehung zu den Betroffenen auf und erfährt, was für die Patientinnen und Patienten belastend ist oder was sie bewegt: «Es ist ein Privileg, diese Gespräche führen zu dürfen und dadurch sehr schnell auch persönliche Dinge zu erfahren. Wenn ich dann durch meine ärztliche Diagnose helfen oder auch die passende Behandlung anordnen und den Betroffenen Ruhe geben kann, dann ist das schon etwas enorm Schönes.»
Tägliches Lernen für die beste Behandlung
Die Notfallmedizin verlangt dem Team viel Wissen und Einsatz ab und die Tage sind unberechenbar. Vor allem Situationen im Schockraum sind für die Fachpersonen stressig und anstrengend. Die Krux der Notfallmedizin ist es, ein breites Wissen zu haben und dabei den Überblick zu behalten und für die Betroffenen die beste Behandlung anzuordnen. All das funktioniert nur, wenn das Team in Hand in Hand arbeitet. Dennoch hinterfragt Christiane Arnold ihre Entscheidung immer wieder: «Es gehört für mich zur Notfallmedizin dazu, dass ich meine Entscheidungen und mich immer wieder hinterfrage. Ebenso wichtig ist mir der Austausch im interdisziplinären Team, ohne das der Notfall nicht funktioniert. Nur so kann ich jeden Tag dazulernen, persönlich mehr Wissen erlangen und damit für unsere Patientinnen und Patienten mein Bestes geben.»