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27. Mai 2026
Wissen
Notfall

Wenn jede Sekunde zählt – und Sicherheit nicht selbstverständlich ist

Am 27. Mai ist Internationaler Notfalltag – der Emergency Medicine Day. Ein Tag, der Menschen ins Zentrum stellt, die täglich unter Hochdruck arbeiten, um Leben zu retten. 2026 richtet sich der Fokus auf ein Thema, das oft übersehen wird: die Sicherheit jener, die für unsere Sicherheit da sind – gerade auch am Empfang der Notfallstation.

Text: Teresa Schmidt • Geprüft von: Sandra Schär, Leiterin Patientensteuerung und -koordination 

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Mehr als schnelle Hilfe: Der Alltag in der Notfallmedizin

Notfallmedizin bedeutet Entscheidungen in Sekunden, Arbeiten unter Unsicherheit und Begegnungen mit Menschen in Ausnahmesituationen. Fachpersonen leisten Enormes – fachlich wie emotional. Der diesjährige Emergency Medicine Day macht deutlich: Diese Arbeit braucht nicht nur Kompetenz und Einsatz, sondern auch Schutz. Denn Gewalt, verbale Übergriffe und unsichere Situationen gehören für viele Teams zum Alltag.

Der Notfallempfang: wenige Minuten, maximale Verantwortung

Der Notfallempfang ist der erste Kontakt – und oft ein entscheidender Moment. «Als Empfang sind wir viel mehr als eine administrative Stelle. Hier wird priorisiert, eingeordnet und oft auch deeskaliert – und das alles gleichzeitig», sagt Sandra Schär, Leiterin Patientensteuerung und -koordination. Die Mitarbeitenden am Empfang haben oft nur wenige Minuten mit den Patientinnen und Patienten. In dieser kurzen Zeitspanne sind schnelle Entscheidungen und ein feines Gespür für Menschen und Situationen entscheidend. Der Empfang übergibt die Patientinnen und Patienten anschliessend an die Notfallpflege. 

Zwischen Druck, Emotionen und zunehmender Gewalt

Die Realität am Empfang hat sich verändert. Die Gewaltbereitschaft hat zugenommen – und sie zeigt sich in unterschiedlichen Formen. «Wir erleben häufiger, dass Menschen sehr impulsiv reagieren – auch jüngere Patientinnen und Patienten», so Sandra Schär. Das kann sich in verbalen Angriffen äussern, aber auch körperlich: Es wird laut, es wird an Trennwände geschlagen, Situationen können schnell kippen. Gleichzeitig gehören auch Polizeibegleitungen immer häufiger zum Alltag.

Besonders anspruchsvoll sind auch psychiatrische Notfälle. «Wir haben es immer wieder mit Menschen zu tun, die sich in einer Ausnahmesituation befinden und gar nicht anders reagieren können», erklärt Sandra Schär. Das verlangt Verständnis – und gleichzeitig klare Strukturen. Denn nicht jede Eskalation ist gleich, und nicht jede Reaktion ist steuerbar. 

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«Nur wenn unsere Mitarbeitenden geschützt und unterstützt sind, können sie das leisten, was sie täglich tun: für andere da sein, wenn es darauf ankommt.»

Sandra Schär
Leiterin Patientensteuerung und -koordination 

Die Herausforderungen am Empfang sind nicht nur situativ, sie wirken nach.

Verbale Auseinandersetzungen können lange nachhallen. Gleichzeitig binden solche Situationen Ressourcen: Andere Abteilungen werden kontaktiert, Unterstützung wird organisiert – nur um kurz darauf wieder umzuplanen, wenn sich die Lage verändert. «Diese Dynamik ist extrem fordernd – organisatorisch und emotional. Und sie führt auch dazu, dass nicht jedes Teammitglied am Notfallempfang arbeiten kann oder möchte», sagt Sandra Schär.

Was es jetzt braucht

Ein zentraler Punkt: Der Umgang mit solchen Situationen ist nicht selbstverständlich. «Wir versuchen schwierige Situationen schon am Notfallempfang zu beruhigen. Aber nicht alle Mitarbeitenden sind im Bereich Deeskalation geschult. Dabei wäre genau das entscheidend», betont Sandra Schär. Es braucht gezielte Weiterbildung, klare Prozesse und ein Umfeld, das Mitarbeitende stärkt – besonders in herausfordernden Momenten.

Ein gemeinsamer Auftrag

Der Internationale Notfalltag erinnert uns daran: Gute Notfallversorgung beginnt nicht erst bei der Behandlung – sondern bereits beim ersten Kontakt. Sicherheit am Empfang ist kein Randthema. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass das gesamte System funktioniert. Oder, wie es Sandra Schär zusammenfasst: «Nur wenn unsere Mitarbeitenden geschützt und unterstützt sind, können sie das leisten, was sie täglich tun: für andere da sein, wenn es darauf ankommt.»


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