Präzision und Sauberkeit im Operationssaal
Im Operationssaal ist Hygiene mehr als Routine: Sie ist die Grundlage für sichere Eingriffe. Wie Hygiene, Technik und Teamarbeit zusammenspielen, erklärt Lara Wenger, Fachfrau Operationstechnik. Im Operationssaal zählt jeder Handgriff – und jeder Keim. Für Lara Wenger, diplomierte Fachfrau Operationstechnik HF, ist Hygiene nicht einfach eine Vorschrift, sondern tägliche Routine und Verantwortung.
Text: Teresa Schmidt • Geprüft: Lara Wenger, Fachfrau Operationstechnik
Die Händedesinfektion, das Tragen von Haube und Mundschutz, die Desinfektion von Oberflächen sowie die Trennung von sterilen und unsterilen Bereichen sind Grundpfeiler im OP-Alltag. Langer Halsschmuck, Uhren oder Ringe sind tabu, auch private Gegenstände wie Handys oder Getränke bleiben ausserhalb des OP-Saals.
«Wir sind im OP komplett verpackt und für Aussenstehende schwer erkennbar – mit Maske, Haube, geschlossenen OP-Schuhen.» Für Lara Wenger gehört auch die persönliche Haltung zur Hygiene: «Man muss sich jeden Tag bewusst machen, was steriles Arbeiten wirklich bedeutet. Routine darf nie zu Nachlässigkeit führen.»
Strukturierte Abläufe und eingespielte Teams
Im OP läuft alles nach einem präzisen Plan: Bereits am Vortag werden sterile Materialien zusammengestellt, Geräte und Dokumentationen vorbereitet. Während einer Operation arbeiten zwei Fachpersonen Operationstechnik pro Saal: eine instrumentierende Fachperson im sterilen Bereich und eine zudienende Person im unsterilen Bereich. «Niemand kann alles gleichzeitig sehen oder kontrollieren, sodass das gegenseitige Unterstützen sehr wichtig ist», betont Lara Wenger.
So beginnt ein Eingriff beispielsweise mit einem sogenannten Timeout. Dabei überprüfen alle im OP-Saal anwesenden Fachpersonen noch mal final, dass die Patientin oder der Patient identifiziert und korrekt auf dem OP-Tisch platziert ist und der erwartete Blutverlust richtig geplant ist, um wenn nötig die entsprechende Anzahl Konserven bereitzustellen.
«Hygiene ist essenziell – es hat immer Folgen, wenn nicht hygienisch gearbeitet wird. Infektionen von Implantaten oder Wunden können schwerwiegende postoperative Komplikationen verursachen.»
Lara Wenger
Fachfrau Operationstechnik
Hygiene ist Teamarbeit
Nach der Operation werden sämtliche Instrumente und Tücher gezählt, entsorgt oder zur Aufbereitung gegeben. Zudem werden alle Flächen und Geräte desinfiziert und der Saal wird für den nächsten Eingriff vorbereitet. Zeit ist dabei ein kritischer Faktor: «Wir müssen so schnell wie möglich alles wieder gereinigt und für den nächsten Eingriff bereit haben – ohne Abstriche bei der Qualität und Sorgfalt», erklärt Lara Wenger.
Auch die Spitalhygiene spielt eine wichtige Rolle.
Regelmässige Audits, Reinigungs- und Aufgabenpläne sorgen für die nötige Kontrolle. «Die wichtigste Aufgabe als Team ist aber das gegenseitige Überprüfen. Wir dürfen und sollen uns gegenseitig darauf hinweisen, wenn etwas nicht passt oder nicht korrekt ist», so Lara Wenger weiter.
Aber auch die technische Seite ist zentral: Überdruck im OP sorgt dafür, dass Luft nur nach aussen entweicht, während ein Laminar-Flow-System gefilterte Luft kontinuierlich von oben zuführt. So bleibt das OP-Feld keimfrei. Lara Wenger schätzt die Präzision und den Anspruch ihrer Arbeit.
«Jede und jeder hier hat ihren oder seinen kleinen inneren ‹Monk› – wir sind alle ein bisschen perfektionistisch. Aber genau das braucht es im OP.»
Lara Wenger
Fachfrau Operationstechnik
Weiterbildung für mehr Verantwortung
Kürzlich hat die Fachfrau Operationstechnik die Weiterbildung zur Link Nurse Infektionsprävention LIN abgeschlossen. Damit hat sie ihre Verantwortung im Bereich der OP-Hygiene erweitert. «Diese Weiterbildung ist wichtig, damit wir auf Audits noch besser vorbereitet sind. Gleichzeitig rücken OP und Spitalhygiene näher zusammen – ein wichtiger Schritt für die Qualitätssicherung.»