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20. Februar 2026
Wissen
Anästhesie
OP-Plattform

«Das Erstellen des OP-Programms ist wie Tetris spielen»

Im OP-Bereich des Spitals Emmental ist Präzision ebenso gefragt wie Flexibilität und Teamarbeit – von frühmorgens bis zum letzten Eingriff des Tages. OP-Koordinator und Anästhesiepflegeleiter Andreas Gallo hat die Fäden in der Hand – auch dann, wenn der Alltag wieder einmal anders verläuft als geplant.

Text: Kerstin Wälti • Geprüft: Andreas Gallo, OP-Koordinator und Anästhesiepflegeleiter

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06.35 Uhr morgens. Im Operationsbereich des Spitals Emmental ist es noch ruhig – für wenige Minuten. Dann beginnt Andreas Gallo das Operationsprogramm zu überprüfen, das am Nachmittag des Vortages erstellt worden ist, und die Veränderungen zu integrieren, die sich in der Nacht ergeben haben. Um 07.00 Uhr steht das Tagesprogramm, kurz darauf treffen die ersten Patientinnen und Patienten ein. Für Andreas Gallo, Abteilungsleiter der Anästhesiepflege und im Wechsel mit den Abteilungsleiterinnen des Operationsbereichs als OP-Koordinator tätig, ist klar: «Es verläuft kein Tag wie der andere, denn die multidisziplinäre Planung ist eine Herausforderung – aber genau das ist das Spannende an dieser Arbeit.»

Drehscheibe für alle Berufsgruppen

Bei der OP-Koordination laufen alle Fäden zusammen. Sie sorgt dafür, dass Patientinnen und Patienten rechtzeitig im Operationssaal sind, die Operations- und Anästhesieteams bereitstehen und die Abläufe ineinandergreifen. «Ich sammle ununterbrochen Informationen, telefoniere mit den für die OP eingeteilten Ärztinnen und Ärzten, bespreche mit der Bettendisposition freie Plätze, schaue mit dem Tagesklinikpersonal, wann es die nächsten Patientinnen und Patienten abholen kann, oder informiere die Lagerungspflege und die Anästhesieteams, dass sie mit der Narkose beginnen können», sagt Andreas Gallo.

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«Wir sind die Drehscheibe und das Sprachrohr für alle Berufsgruppen.»

Andreas Gallo
OP-Koordinator und Anästhesiepflegeleiter

Dazu gehört das Personal von Chirurgie, Anästhesie, Pflege, Aufwachraum, Intensivstation, Bettendisposition, Logistik und Reinigung. Wie zentral die interdisziplinäre Zusammenarbeit im OP-Bereich ist, zeigt sich täglich: «Unsere wichtigsten ‹Zulieferer› sind nicht nur die Chirurginnen und Chirurgen, sondern auch jene Menschen, die sicherstellen, dass die Säle regelmässig gereinigt werden und alles da ist, wenn wir in die Schublade greifen – von den Instrumenten bis zum sterilen Tupfer.»

Ein komplexes Puzzle

Das definitive OP-Programm entsteht in enger Zusammenarbeit zwischen OP-Leitung, Anästhesie, Chirurgie und Bettendisposition. Schon zehn Tage im Voraus gibt es eine Grobplanung, am Vortag wird sie konkretisiert. Bis 15 Uhr sollte das Programm für den nächsten Tag stehen, damit die Bettendisposition den Patientinnen und Patienten definitiv mitteilen kann, wann sie eintreten müssen. «Beim Erstellen des Operationsprogramms müssen wir viele Faktoren wie Ressourcen oder Material gleichzeitig im Blick behalten, das ist ein bisschen wie Tetris spielen», sagt Andreas Gallo und zählt auf: «Wie lange dauert ein Eingriff? Wie ist der Gesundheitszustand der Patientin, des Patienten? Stehen Betten zur Verfügung? Und wie viele Notfälle können wir integrieren?»

Doch egal, wie minutiös ein OP-Tag geplant ist, «es kann immer etwas dazwischenkommen, was die Organisation herausfordernd macht», so Andreas Gallo. Notfälle, länger oder kürzer dauernde Eingriffe, plötzliche Krankheitsausfälle oder unerwarteter Schneefall, der Personal oder Patientinnen und Patienten verspätet ankommen lässt – all das kann die ganze Tagesplanung auf den Kopf stellen. «Dann heisst es: flexibel bleiben, kommunizieren, priorisieren, Teams und Operationssaalkapazitäten neu verteilen – doch genau das ist das Spannende an dieser Arbeit und hält den Kopf fit», lacht Andreas Gallo und fährt fort: «Wenn dann am Abend alle sagen, es sei anstrengend gewesen, aber gut, dann war es eine gute OP-Koordination.»

Die andere Rolle: Leiter der Anästhesiepflege

Neben seiner Tätigkeit als OP-Koordinator leitet Andreas Gallo die Abteilung Anästhesiepflege, inklusive Aufwachraum. Für ihn ist die Anästhesiepflege eine zentrale Profession im OP-Bereich. «Wir sind nahe an den Patientinnen und Patienten, technisch versiert und tragen viel Verantwortung.» Anästhesiepflegende begleiten Menschen in einer besonders verletzlichen Phase: kurz bevor sie ihr Bewusstsein verlieren.

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«Viele Patientinnen und Patienten haben Angst vor der Narkose. Wir müssen Vertrauen aufbauen, beruhigen, empathisch sein – und gleichzeitig technisch absolut präzise arbeiten.»

Andreas Gallo
OP-Koordinator und Anästhesiepflegeleiter

Die diplomierten Expertinnen und Experten Anästhesiepflege führen die Anästhesie teilweise selbstständig, teilweise zusammen mit den ärztlichen Fachpersonen für Anästhesiologie durch. Während den Operationen überwachen sie die Vitalfunktionen der Patientinnen und Patienten und greifen bei Komplikationen sofort ein. In der Schweiz haben Anästhesiepflegepersonen mehr Kompetenzen als in anderen Ländern, wo die Anästhesie stärker in den Händen von Ärztinnen und Ärzten liegt.

«Wir haben in der Schweiz mehr Handlungsspielraum und können gewisse Anästhesien selbstständig durchführen, immer mit der zuständigen Anästhesistin, dem zuständigen Anästhesisten im Hintergrund. Diese Mischung aus Eigenverantwortung und Teamarbeit ist einzigartig», so Andreas Gallo. Auch nach über 20 Jahren in der Anästhesie ist er nach wie vor spürbar begeistert von seinem Beruf: «Der Moment, wenn die Patientin oder der Patient nach einer erfolgreichen Operation wieder aufwacht, begeistert mich jedes Mal aufs Neue.»


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